CeBIT, Portel.de-Podium: Telekom und Wettbewerber diskutieren beste Glasfaser-Ausbaustrategie

CeBIT Breitband-Podium von Portel.de 2016 (Foto: Portel.de) CeBIT Breitband-Podium von Portel.de 2016 (Foto: Portel.de)

Hannover, 14.03.2016 – Ausgesprochen angriffslustig gab sich Telekom-Chefregulierer Wolfgang Kopf am Montag auf der CeBIT gegenüber den Wettbewerbern. Auf dem Breitband-Panel von Portel.de entgegnete Kopf auf die Frage, warum sein Unternehmen nicht häufiger auf vorhandene Glasfaser-Infrastruktur der Wettbewerber zurückgreife, sondern diese ganz im Gegenteil noch überbaue, die Telekom sei nicht dafür da, die Geschäftsmodelle der Wettbewerber zum Erfolg zu führen. Die von privaten Betreibern oder von Kommunen errichteten Netze stufte der Telekom-Manager teils als „esoterische Technologien“ ein, auf der Telekom-Produkte nicht funktionierten. Entsprechend baue die Telekom Glasfaser lieber gleich selber aus. Kopf verwies dabei auf 400.000 km verlegte Glasfaserleitungen und 17.000 mit Glasfasertechnik ausgestattete Verteilerkästen. Rund 30 Mio Haushalte würden bis Ende 2016 FTTC-fähig gemacht.

Grundsätzlich liegt Deutschland beim Breitbandausbau im weltweiten Vergleich weit hinten. Laut Jan Schindler vom FTTH Council Europe aus Brüssel ist das Niveau derzeit vergleichbar mit Trinidat Tobago. Dass Deutschland überhaupt erstmals in der weltweiten Statistik auftaucht, sei vor allem dem Engagement vieler privater Unternehmen beim Glasfaserausbau in den vergangenen Jahren zu verdanken. Förderprogramme sollten in erster Linie in nachhaltige Technik Investieren und nicht in Brückentechnologen wie Vectoring.

Der Standort Deutschland sowie der Mittelstand liefen Gefahr international abgehängt zu werden, gab sich VATM-Präsident Martin Witt auf dem Podium besorgt. Im Nahbereich um die Telekom-Hauptverteiler lägen im gesamten Bundesgebiet die wirtschaftlich attraktivsten Haushalte. Ausgerechnet da könne die Telekom nun ihr Breitband-Monopol einrichten. Die Mischkalkulation der Wettbewerber mit den ländlichen Regionen gehe dadurch nun nicht mehr auf.

Beziehe man die Kabelnetze in die Breitbandinfrastruktur mit ein, so sei es um den Breitband-Standort Deutschland deutlich besser bestellt, als immer wieder postuliert, machte ANGA-Geschäftsführerin Andrea Huber aus Köln geltend. Viele Citycarrier bauen demnach fleißig hybride Netzinfrastruktur bestehend aus Koaxialkabeln und Glasfaser aus (HFC – Hybrid Fibre Coax) aus. 70 Prozent der Bevölkerung könnten dadurch schon jetzt mit Bandbreiten im Gigabit-Bereich versorgt werden.

Norbert Westfal, Präsident des BREKO e.V. aus Bonn, erklärte sich absolut einverstanden mit der Strategie, alles an Bandbreite aus der Kupfer-Technik herauszuholen. Allerdings seien Kupferkabel auch dann noch zu wenig vorhanden für zusätzliche Anschlüsse. Wer die Gigabitgesellschaft wirklich wolle und weiter nach vorne denke, komme an der Glasfaser nicht vorbei.

GEORG STANOSSEK