IfKom: Veränderungen der Arbeitswelt durch Digitalisierung müssen zügig gestaltet werden

(Bild: IfKom) (Bild: IfKom)

Dortmund, 07.01.2016 – Ob Industrie 4.0 oder kleine und mittlere Unternehmen: Die zunehmende Digitalisierung wird massive Folgen für die zukünftige Arbeitswelt haben. Die Ingenieure für Kommunikation (IfKom e. V.) gehören selbst zu einer Branche, die sich sehr früh den Veränderungen durch die digitale Transformation stellt. Der Verband fordert daher Politiker, Unternehmen und Tarifpartner auf, sich intensiver als bisher mit den Rahmenbedingungen für eine humane und sozial gerechte Arbeitswelt im digitalen Zeitalter zu befassen, die den Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs und der sozialen Marktwirtschaft dennoch gerecht wird.
Bereits heute sind 15 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze einem hohen Substitutionspotenzial ausgesetzt. Diese Arbeiten könnten derzeit zu mehr als 70 Prozent durch Computer bzw. elektronische Prozesse ersetzt werden. Dieses Ergebnis zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Damit die Digitalisierung jedoch von den arbeitenden Menschen nicht als Bedrohung empfunden wird, müssen aus Sicht der IfKom die politischen, rechtlichen und tariflichen Rahmenbedingungen frühzeitig festgelegt werden. Im Sinne der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sind auch einheitliche europäische Standards anzustreben.
Die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitsplätze sind bisher nur zum Teil erforscht. Zunächst wird allgemein angenommen, dass sich die Tendenz verstärkt, nicht Arbeitsplätze, sondern vorrangig Arbeitsprozesse zu automatisieren. Dabei ist es allerdings problematisch, z. B. amerikanische Entwicklungsprognosen in der Automatisierung auf Deutschland zu übertragen, weil die Arbeitsmärkte und Bildungssysteme unterschiedlich strukturiert sind. Es zeigt sich jedoch, dass insbesondere bei Dienstleistungen und Verwaltungstätigkeiten Veränderungen eintreten werden, weil diese mit digitalen Arbeitsmitteln praktisch von jedem Ort aus und zu jeder Zeit ausgeübt werden können. Damit gehen neben den Chancen auf mehr Selbstbestimmtheit allerdings auch Risiken wie z. B. Ausnutzung und Überforderung einher.
Die IfKom begrüßen daher die Initiative der Bundesarbeitsministerin, anstelle eigener Gesetzesentwürfe zunächst einen Dialog zur Gestaltung von Arbeit 4.0 zu eröffnen. Allerdings wird es noch mindestens bis zum Ende des Jahres 2016 dauern, bis die Ergebnisse in Form eines Weißbuches vorliegen sollen. Angesichts der im Folgejahr stattfindenden Bundestagswahl ist zu befürchten, dass die Erkenntnisse nicht mehr im erforderlichen Umfang in einen Rechtsrahmen umgesetzt werden können – schon gar nicht im europäischen Gleichklang.
Zum Befund der bereits erwähnten Studie des IAB gehört auch die Feststellung, höhere Bildungsgrade seien weniger vom Substitutionsrisiko durch Digitalisierung betroffen als niedrige. Daher sind nach Auffassung der IfKom für alle Bildungsgrade die Weiterbildungsmöglichkeiten auszubauen. Hierzu gehören arbeitsrechtliche Ansprüche ebenso wie Finanzierungsmöglichkeiten. Auch die Wechselbeziehungen von Bildung, Digitalisierung und Arbeit müssen stärker als bisher beachtet werden. Die IfKom setzen sich daher seit langem für eine Stärkung der so genannten MINT-Fächer sowie für die Vermittlung digitaler Kompetenzen im gesamten Fächerkanon der Schul- und Hochschullandschaft ein.
Das Bundesarbeitsministerium betont: „Es reicht zukünftig nicht, an den Rändern des Arbeitsmarktes auf unerwünschte Entwicklungen zu reagieren, auch wenn dies weiter notwendig sein wird. Der Gestaltungsbedarf von Arbeiten 4.0 geht darüber hinaus.“ Nach Meinung der IfKom muss dieser Gestaltungsbedarf schnellstens konkretisiert sowie der gesetzliche Rahmen geprüft und weiterentwickelt werden, um auch neue Arbeitsformen zu erfassen. Das geplante Weißbuch kann dazu am Ende des Jahres wichtige Antworten geben, der Zeitplan sollte allerdings ambitionierter sein!

Quelle:

ifkom.de