Telekom-Vectoring: Endlich Schluss machen mit alten Seilschaften – Kommentar

Georg Stanossek, Journalist, Verleger, Klimaschutzmanager und Flüchtlingshelfer (Foto: Portal-21 Verlag) Georg Stanossek, Journalist, Verleger, Klimaschutzmanager und Flüchtlingshelfer (Foto: Portal-21 Verlag)

von Georg Stanossek

Hört man die Klagen der Wettbewerber zum „Konsultationsentwurf der Bundesnetzagentur vom 13.11.2015 zum Einsatz von VDSL2-Vectoring in den HVt-Nachbereichen“, wie er offiziell heißt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch mehr als 20 Jahre nach der Privatisierung der Telekom hinter den Kulissen nach wie vor auf gut rheinische Art „jeklüngelt“ wird, wie ehedem. Warum sonst fallen Regularien wie jetzt beim Vectoring-Antrag der Telekom wider alle regulatorische Vernunft auffallend häufig zu Gunsten des „Ex-Monopolisten“ aus? In diesem Fall etwa verschärfte die Beschlusskammer der BNetzA einen Tag vor Weihnachten in einer vorläufigen Regulierungsverfügung nachmittags völlig überraschend noch einmal die Auflagen für die Wettbewerber.

Seit nunmehr fast einem Jahr beherrscht der Vectoring-Antrag der Telekom die Schlagzeilen der bundesweiten und auch der regionalen Medien und bindet in der Branche wertvolle Kräfte und Mittel, die mehr als dringend für den weiteren Ausbau der Breitband-Infrastruktur gebraucht werden. In keinem anderen Land in Europa gibt es einen ähnlichen Antrag von einem marktbeherrschenden Telekom-Player.

Die Vermutung liegt nahe, dass gewisse gemeinschaftliche wirtschaftliche Interessen und rein menschliche Bonner Sympathien zwischen einer staatlichen Kontrollbehörde wie der Bundesnetzagentur und einem Ex-Monopolisten mit knapp 32 Prozent der Unternehmensanteile unter staatlicher Kontrolle wohl nicht zu vermeiden sind. Das Vectoring-Gezerre der Telekom um Exklusivität in einem strategisch entscheidenden Marktsegment behindert den Breitbandausbau derzeit mehr, als es ihm nützt und stellt dazu die Neutralität der Bundesnetzagentur auf die Nagelprobe. Einmal mehr wird deutlich, dass die vollständige Entlassung der Telekom in den Wettbewerb längst überfällig ist.

 

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