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The Cloud: „Hotspots erleben 2007 Durchbruch bei Privatkunden“

Exklusiv-Interview mit The Cloud Deutschland-Manager Simon Johnson

Simon Johnson, The Cloud
Simon Johnson, The Cloud

Unterschleißheim/Köln/Freiburg, 01.12.06-17:40 (update) - Der europäische WLAN-Provider The Cloud gehört mit derzeit mehr als 8.500 Hotspots neben der Deutschen Telekom AG zu einem der größten Betreiber von WLAN-Netzen in Europa. Für Deutschland rechnet The Cloud in den kommenden Jahren mit bis zu 25 Millionen WLAN-fähigen Endgeräten und 50.000 Hotspots. Derzeit betreibt das Unternehmen rund 800 Hotspots für Kunden wie Agip, Accor, Best Western und Mercure Hotels oder die Flughäfen in Berlin, Dresden, Leipzig-Halle und Nürnberg. Portel.de sprach vor kurzem in Köln mit Simon Johnson, Deutschland-Manager des Unternehmens, über die künftige Rolle der Hotspots und WLAN-Strategien in der sich wandelnden ITK- und Medienbranche.


Portel.de: Herr Johnson, The Cloud ist jetzt seit vier Jahren im Geschäft. Ist Ihr Geschäftsmodell heute noch das gleiche wie beim Start Anfang 2003?
S.Johnson: Im April 2003 haben wir als ersten Service Provider in Großbritannien BT Openzone an Bord genommen und waren damals bei etwa 1.000 Hotspots. Wir sind damals als WLAN-Netzbetreiber gestartet und das sind wir auch heute noch – allerdings inzwischen mit rund 8.500 Hotspots in Europa. In Deutschland hat sich unser Umsatz seit Jahresbeginn verzehnfacht. Wir haben unser Geschäftsmodell inzwischen allerdings erweitert und sind nicht mehr nur reiner Netzbetreiber sondern bieten unsere WLAN-Lösungen auch für Unternehmensstandorte oder als White Label-Produkt für andere Netzbetreiber und Provider an.

Portel.de: ‚White Label’ ist klar, aber wieso Unternehmen?
S.Johnson: Große Firmen oder auch Behörden empfangen jeden Tag sehr viele Besucher, seien es Mitarbeiter von anderen Standorten, Geschäftspartner oder Kunden. Und sie geraten heute in Erklärungsnot, wenn sie denen keinen einfachen Internet-Zugang beispielsweise für ihren Laptop zur Verfügung stellen können. Ein gut gemanagtes, sicheres Drahtlosnetzwerk ist da meistens die einfachste Lösung für alle Beteiligten. Für WLAN im Unternehmen gelten verständlicherweise etwas andere Bedingungen, was die Sicherheit, Technik oder Rechte des Hotspots betrifft, als beispielsweise in einem Hotel oder dem Café an der Ecke. Hier greifen wir den IT-Abteilungen mit unserer bewährten Lösung namens „Guestbridge“ (http://guestbridge.thecloud.net/) unter die Arme.

Portel.de: Die Nutzung von Hotspots ist heute in der Regel immer noch ein teures Vergnügen, dass sich normalerweise nur geschäftliche Nutzer leisten können. Wann wird sich das endlich ändern?
S.Johnson: Bei der geschäftlichen Nutzung sprechen wir naturgemäß vor allem von Geschäftsreisenden. Das ist aber zu kurz gedacht, denn die großen Handy-Produzenten wie Nokia, RIM/Blackberry oder Motorola bauen inzwischen auch Dual-Mode-Geräte, die WLAN und GSM/UMTS beherrschen und es gibt eine Reihe von anderen Herstellern wie Siemens, SMC, Belkin, Zyxel, UTStarcom, Netgear und selbst Cisco, die reine WLAN-Handys oder DECT/WLAN-Handys anbieten. Außerdem kommen noch die mobilen Spielekonsolen, MP3-Player, Digitalkameras ... Wenn man bedenkt, dass ein WLAN-Chip nur etwa zwei Euro kostet, kann man sich vorstellen, dass künftig jedes elektronische Gerät eine WiFi-Kommunikations-Schnittstelle haben wird. Die Privatkunden wollen mit ihren Geräten einen einfachen, schnellen und preisgünstigen Zugang zu ihren Anwendungen. Das bekommen sie bei den Mobilfunkanbietern jedoch nicht. ‚Application Centric Device’ lautet hier das Zauberwort. Also ein Endgerät, das man vielleicht kostenfrei vom Anbieter der Anwendung bekommen kann. WLAN ist dafür die beste Technik und der Markt steht jetzt kurz vor dem Durchbruch.



25 Mio. WLAN-fähige Endgeräte bis Ende 2007


Portel.de: Gibt es dazu Prognosen?
S.Johnson: Bis 2008 – das zeigen unsere eigenen Marktstudien und die Zahlen der Kapitalmärkte - wird es in Westeuropa voraussichtlich mehr als 160 Millionen WiFi-fähige Geräte geben - das entspricht einem Drittel der mobilen Verbraucher in Westeuropa. Bis Ende 2007 werden allein in Deutschland rund 25 Millionen WLAN-fähige Endgeräte in Betrieb sein - bis Ende 2009 voraussichtlich 43 Millionen. Schon im nächsten Jahr rechnen wir daher mit einer deutlich vermehrten Nutzung von WLAN. So gesehen ist das eigentliche Wachstum auch nicht von den Geschäftskunden zu erwarten, sondern es liegt bei den Privatkunden.

Portel.de: Und wer macht das Geschäft am Ende?
S.Johnson: Schwer zu sagen. Aber Firmen wie Google, Skype, Ebay und Amazon werden als neue Anbieter mit Sicherheit dabei sein, solange sie nicht von anderen Branchengrößen geschluckt werden. WiFi bricht für solche Firmen quasi die Märkte auf. Verlierer werden jene Medienhäuser, Hersteller, Provider und Netzbetreiber sein, die es nicht schaffen, sich den neuen Gewohnheiten der Konsumenten bei der Mediennutzung rechtzeitig anzupassen. Gewinner der Entwicklung werden vor allem auch die Endkunden sein, die neue Dienste zu günstigen Preisen überall nutzen können.

Portel.de: In Deutschland gab es bis vor drei Jahren einen Boom bei den Hotspots. Das Thema hatte sich schlagartig erledigt, als die Deutsche Telekom AG massiv in den Markt eingestiegen ist und 10.000 Hotspots innerhalb von zwei Jahren angekündigt hat. Die Zahl hat der Konzern zwar auch heute noch nicht erreicht, ist aber mit mehr als 8.500 Hotspots weiter absolut marktbeherrschend. The Cloud steht heute bei knapp 800 Standorten und ist damit aktuell die Nummer Zwei auf dem Markt der professionellen WLAN-Betreiber. Sehen Sie eine Chance, der Telekom auf absehbare Zeit eine vergleichbare Anzahl von Standorten entgegen zu setzen?
S.Johnson: Es ist natürlich sehr schwer, einem Koloss wie der Telekom in ihrem Heimatmarkt Paroli zu bieten. Zumal inzwischen die lukrativeren Standorte wie Flughäfen und Business-Hotels größtenteils vergeben sind. Hier sehen wir für uns eine Chance in auslaufenden Verträgen und der anstehenden Erneuerung. Außerdem kann so ein Ex-Monopolist den WLAN-Ausbau aus der Portokasse finanzieren kann und muss dabei nicht unbedingt profitabel arbeiten. Wir glauben dennoch, dass sich ein ebenbürtiges alternatives WLAN-Netz aufbauen ließe, wenn sich alle alternativen und privaten Betreiber eines Hotspot unter einem Dach - sprich: auf einer gemeinsames Plattform - zusammen finden. Auch wenn wir heute bereits profitabel arbeiten: wir brauchen die Unterstützung der alternativen Anbieter in Deutschland. Daran arbeiten wir mit aller gebotenen Umsicht, sei es durch Kooperationen oder Übernahmen.

Anzahl The Cloud-Hotspots in Deutschland 06/2005 bis 11/2006
(Quelle: www.Businesshotspot.de)
788 – 29.11.06
692 – 30.08.06
545 – 06.06.06
526 – 03.05.06
511 – 12.04.06
344 – 18.01.06
400 – 13.10.05
350 – 15.06.05

Zuwachs von 12.000 auf 50.000 Hotspots in Deutschland

Portel.de: Zur Zeit wird die Zahl der professionell und privat betriebenen Hotspots in Deutschland Experten zufolge auf zwischen 18.000 bis 20.000 geschätzt (Businesshotspot.de). Wie viele könnten das einmal werden?
S.Johnson: Wir gehen von bis zu 50.000 in den nächsten drei bis vier Jahren aus.


Portel.de: Welche Chancen räumen Sie WIMAX dabei ein, im Vergleich zu WLAN?
S.Johnson: Mag sein, dass WIMAX in ein paar Jahren auch seinen Platz als mobile Übertragungstechnik findet. Aber da DSL in Deutschland schon relativ gut verbreitet ist, kommt man hier ganz gut ohne WIMAX aus. Die Technik kommt außerdem sehr spät und der Betreiber benötigt dafür eine Lizenz. Die Versteigerung in Deutschland beginnt ja gerade erst jetzt am 12. Dezember. Wir beobachten die Entwicklung von WIMAX kontinuierlich, um unseren Kunden die bestmögliche Technik anzubieten. Daher können wir uns vorstellen, gemeinsam mit anderen Unternehmen ein Angebot abzugeben. Aktuell fällt die Entscheidung aufgrund der Kosten und auch des Standes der Technik jedoch eindeutig zugunsten von WLAN aus.

Portel.de: Was halten Sie von dem FON-Angebot (www.fon.com), den eigenen DSL-Anschluss via WLAN mit anderen Community-Mitgliedern zu teilen?
S.Johnson: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die User auf Dauer funktioniert. Vielleicht, wenn es FON gelingt, wirklich 15.000 oder 20.000 Mitglieder in Deutschland zu gewinnen. Ansonsten wird die Gegenleistung zu gering sein, die man dafür erhält, Hardware und Anschluss auf eigene Kosten ständig in Bereitschaft zu halten.


Top 10 der WLAN-Netzbetreiber in Deutschland 11/2006
(aktive Hotspots; Quelle: www.businesshotspot.de; © Portel.de) 

Anbieter

Hotspots

T-Com / T-Mobile, Bonn

8.500

Fon, München*

6.600

The Cloud, München 

800

Swisscom Hospitality, München

570

Ganag, München 

330 

AOL, Hamburg

315

Free-Hotspot.com, Dublin

167

Hotsplots, Berlin

110

Versatel, Berlin

100

M3-Connect, Aachen

87


*) Stand 30.11.2006: Fon wächst derzeit um rund 100 Standorte täglich.



Europaweite Initiative für City-WiFi gestartet

Portel.de: The Cloud hat soeben mit ‚Metro WiFi’ eine große Initiative zur Expansion seiner City-WiFi-Tätigkeiten überall in Europa bekannt gegeben. Dazu gehört zum Beispiel in Stuttgart …
S.Johnson: Betreiber der rund 50 Hotspots in Stuttgart sind die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart GmbH, die Landeshauptstadt Stuttgart, der Landtag von Baden-Württemberg, die Stadt Fellbach, die SSB Stuttgarter Straßenbahn AG, der VVS sowie die Stuttgart Marketing GmbH. Verfügbar sind die Zugänge im Rathaus, der Stadtbibliothek, an etwa 30 Haltestellen der Stuttgarter Straßenbahn sowie in Straßencafés auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Das Netz wird den kostenlosen Zugang zum Stuttgarter ‚MobilCity’-Portal (http://www.stuttgart-tourist.de/DEU/ipunkt/mobil-city.htm) ermöglichen, in dem Informationen über Veranstaltungen, Unterhaltung, Restaurants und Hotels sowie Nahverkehrs- und Reiseinformationen zu finden sind.

Portel.de: Diese so genannten Hotzones, also mit Breitband-Internet versorgte Plätze, Flächen oder ganze Straßenzüge, sind ja nichts Neues …
S.Johnson: Das stimmt. Wir nennen das ‚outdoor coverage’. Neben den Netzbetreibern haben aber auch die Städte bzw. Wirtschaftsregionen inzwischen ein verstärktes eigenes Interesse an einer hervorragenden Telekommunikations-Infrastruktur entwickelt. Das zeigt sich nicht zuletzt an der steigenden Zahl von Ausschreibungen der Kommunen. Die Yankee Group hat über 150 drahtlose Breitbandprojekte identifiziert, die durch oder für europäische Groß- und Kleinstädte initiiert wurden. Wir sind mit unseren Angeboten zunächst in Großbritannien gestartet in London, Manchester und Edinburgh, haben inzwischen aber auch andere europäische Metropolen gewinnen können, wie Karlskrona in Schweden oder Amsterdam.

Portel.de: Sie sprechen zum Beispiel mit Barcelona, Paris und Stockholm aber auch Berlin und Köln. Mit welchen Städten verhandeln Sie noch?
S.Johnson: Im Grunde sprechen wir mit allen europäischen Metropolen. Wir betreiben zurzeit 16 drahtlose Stadtnetze und wollen bis Ende 2007 bei etwa 30 sein.

Portel.de: Was versprechen sich die Städte von einem City-WLAN?
S.Johnson: Den lokalen Politikern und Stadtverwaltungen geht es unter anderem um eine offene und neutrale Plattform im Rahmen einer Public Private Partnership. Die meisten Stadtväter haben begriffen, dass sie darüber ganz neue Möglichkeiten erhalten, öffentliche Dienstleistungen anzubieten oder die Produktivität der Berufstätigen zu erhöhen. Es stärkt einfach die lokale Geschäftstätigkeit, wenn Einwohner und Besucher jederzeit und überall breitbandigen Zugriff aufs Internet haben können. Wir haben inzwischen ein eigenes Spezialistenteam für unser ‚Metro WiFi’, das die Gespräche mit den Stadtverwaltungen und Stadtwerken führt.


Multi Service Plattform für Provider-unabhängige Dienste

Portel.de: Wie funktioniert Ihre offene WLAN-Plattform?
S.Johnson: ‚Neutrale Multi Service Provider Plattform’ bedeutet, dass der Standort-Betreiber nicht exklusiv an uns als Provider gebunden ist. Über die Plattform können verschiedene Internet Service Provider, Mobilfunkunternehmen sowie VoIP- und Kabel-Anbieter ihre Dienste zur Verfügung stellen. Wir arbeiten hier zur Zeit mit 02, Vodafone, Sprint (Mobilfunk), BT Openzone, Boingo, Telenor (WLAN), iPass (VPN-Access), CredEcard (E-Payment) und Nintendo WiFi Connection (Gaming) und nicht zuletzt Skype und Vonage (VoIP) zusammen. Das heißt: Wir bieten bestehenden Providern oder Anbietern von Anwendungen und Diensten über unser WLAN-Netz mobile Lösungen an. Die Hotspot-Nutzer werden dabei mit Hilfe einer Software namens „Verbindungsmanager“ oder „Client“ automatisch über das Internet mit Ihrem bevorzugten Service-Provider verbunden. Die Software kontrolliert die Verbindung sowie die Authentifizierung und umgeht die Vorrausetzung, sich über potentiell unsichere Seiten im Web einzuloggen.

Portel.de: Aber wollen gerade private WLAN-Nutzer das Internet nicht viel lieber kostenfrei und ohne Anmeldung nutzen, wie es ja an sehr vielen Hotspots möglich ist?
S.Johnson: So locker wie bisher wird es für die WLAN-Betreiber auf lange Sicht nicht weitergehen. Nach jüngerer Rechtsprechung ist der Betreiber eines Hotspot dafür verantwortlich, welche Aktionen im Internet über seinen Anschluss abgewickelt werden. Das heißt in Zukunft werden die Standort-Inhaber ihre User - wie in Frankreich und Italien heute schon üblich - identifizieren müssen. Aber auch aus Kostengründen könnte die Zukunft lauten: ‚Coplementary WiFi access’. Das bedeutet: Der Nutzer erhält Zugang zum Web als Gegenleistung beispielsweise für eine Tasse Kaffee in einem Gastronomiebetrieb oder gegen eine Tankfüllung am Autobahnrasthof. Schon allein dafür braucht der Inhaber die Kontrolle darüber, welcher Kunde, wann, was und über welchen Zeitraum an seinem Hotspot gemacht bzw. welche Dienste genutzt hat.

Portel.de: Können Sie noch etwas zu den Eigentümern und zur Finanzierung von The Cloud sagen?
S.Johnson: The Cloud gehört dem Management und der Rest den Investoren 3i (http://www.3i.com), Accel (http://www.accel.com) and Provider Venture Partners (http://www.providerventure.com).

Portel.de: Herr Johnson, herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

 

Das Gespräch führte GEORG STANOSSEK

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Hotspot-Entwicklung in Deutschland 03/2003 bis 11/2006
(Quelle: Quelle: www.businesshotspot.de; © Portel.de)

03/2003 - 300
03/2004 - 3.500
03/2005 - 7.000
03/2006 - 10.000
11/2006 - 12.000
 

 

Nachricht eingestellt: 01.12.2006 - 01:17

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