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EU-Kommission legt Bericht über den Stand des Telekom-Binnenmarkts vor

8 EU-Länder haben bessere Breitbandversorgung als USA

EU-Kommissarin Viviane Reding © EU-Kommision
EU-Kommissarin Viviane Reding

Brüssel, 19.03.08 – Dänemark, Finnland, die Niederlande und Schweden sind bei der Breitbandversorgung mit einem Anteil von über 30 % (Ende 2007) weltweit führend. Dies geht aus dem jetzt vorgelegten 13. Bericht der Europäischen Kommission über den Stand des Telekom-Binnenmarkts hervor. Diese EU-Länder hatten wie auch das Vereinigte Königreich, Belgien, Luxemburg und Frankreich allesamt im Juli 2007 einen höheren Breitbandversorgungsgrad als die USA (22,1 %). Im Jahr 2007 kamen in der EU 19 Millionen neue Breitbandanschlüsse hinzu, was einem Zuwachs von über 50 000 Privathaushalten pro Tag entspricht. Der Gesamtumsatz des Breitbandsektors wird auf 62 Milliarden € geschätzt. Für ganz Europa liegt der Versorgungsgrad derzeit bei 20 %. Ein stärkerer Binnenmarkt, ein intensiverer Wettbewerb und geringere Regulierungslasten dürften allerdings noch zu weiteren beträchtlichen Verbesserungen für die Verbraucher führen.

„Das europäische Regulierungsmodell ist darauf ausgerichtet, den Wettbewerb auf den Telekom-Märkten zu steigern, und nun sehen wir die ersten Früchte“, erklärte Viviane Reding, die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin. „Aber es bleibt noch viel zu tun. So ist der Wettbewerb beim Zugang zum Festnetz eingeschränkt, denn 86,5 % der Kunden erhalten ihn noch immer über die Infrastruktur des etablierten Betreibers. Außerdem betätigen sich nur 30 % der großen Telekom-Unternehmen in der EU auch außerhalb ihres Heimatmarktes, obwohl die Technik an sich keine Grenzen kennt. Daran zeigt sich, dass wir noch keinen attraktiven Binnenmarkt für europäisch ausgerichtete Unternehmen und Dienste haben und uns daher noch stärker um den Abbau regulatorischer Schranken bemühen müssen. Nur wenn wir den Binnenmarkt für die Unternehmen öffnen, wird Europa seine Wettbewerbsfähigkeit steigern können und nur dann werden die Verbraucher aus einem großen Angebot vielfältiger und erschwinglicher Dienste wählen können.“

Der Bericht stellt den Stand des europäischen Telekommunikations-Binnenmarkts im Dezember 2007 dar. Er beruht auf Fakten und Zahlen, die von den nationalen Telekom-Regulierern und von Marktteilnehmern übermittelt wurden.

Der Telekom-Sektor hat ein Volumen von fast 300 Milliarden € (2 % des BIP der EU) und verzeichnete im vergangenen Jahr ein Wachstum von 1,9 %. Das Jahr 2007 war auch das fünfte Jahr in Folge, in dem die Investitionsausgaben des Sektors gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Sie liegen jetzt bei über 50 Milliarden € (ähnlich wie in den USA und höher als in China und Japan zusammen).

Ein Wachstumssektor
Mit Umsatzsteigerungen um 3,8 % auf nunmehr 137 Milliarden € bleibt der Mobilfunk weiterhin der größte Sektor des Telekommunikationsmarktes. Die Mobilfunkverbreitung nahm weiter zu, auf nun 112 % gegenüber 103 % im Jahr 2006. Die Verbreitung des Mobilfunks der dritten Generation (3G) verdoppelte sich 2007 auf 20 %. Diese Dienste werden nun von über 88 Millionen Teilnehmern genutzt. Mit dem 3G-Wachstum haben auch die Mobilfunk-Datendienste um ca. 40 % zugenommen.

Bei den Festnetz-Telefondiensten sind die Umsätze gegenüber 2006 um 5 % gesunken, da sich viele Kunden den Mobilfunk- und IP-Diensten zuwenden. Die Festnetzbetreiber konnten diese Einbußen aber durch ein starkes Wachstum ihrer Breitbanddienste kompensieren, mit denen sie Umsätze von 62 Milliarden € erzielten.

12 Millionen Kunden wechselten 2007 ihren Anbieter
Die Senkung der Mobilfunkpreise um bis zu 14 % ist die Folge verringerter Mobilfunk-Terminierungsentgelte (Gebühren, die sich die Betreiber untereinander für die Zustellung der Anrufe zwischen ihren Netzen in Rechnung stellen), die ihrerseits erst dank des Eingreifens der nationalen Telekom-Regulierer durchgesetzt wurden. Die Verbraucher hatten auch eine größere Auswahl an gebündelten Angeboten. 13 % der Europäer haben nun ein Angebotspaket mit einer einzigen Gesamtrechnung abonniert, 12 % davon mit Fernsehen, 23 % mit Telefon, 6 % mit Mobilfunk und 24 % mit Internetzugang.

Die Nummernübertragung (Anbieterwechsel unter Beibehaltung der Rufnummer) ist nun sowohl bei Festnetz- als auch Mobilfunknummern überall außer in Bulgarien und Rumänien möglich. 12 Millionen Kunden wechselten 2007 ihren Anbieter.

Telekom-Binnenmarkt: ...es ist noch viel zu tun

Im Kommissionsbericht werden auch die Bereiche genannt, in denen der Telekom-Binnenmarkt noch unvollständig ist:

– Die etablierten Betreiber kontrollieren über 46 % der Breitbandanschlüsse, und in 7 Mitgliedstaaten sogar über 60 % der Breitbandverbindungen. In Zypern, Luxemburg und Finnland liegt der Marktanteil des etablierten Betreibers bei über 70 %. Überdies erhalten 86,5 % der Kunden ihren Zugang zum Telefonfestnetz noch immer über die Infrastruktur des ehemaligen Monopolisten. In 12 Mitgliedstaaten sind es sogar mehr als 95 %, weil entweder eine Regulierung noch aussteht oder die Maßnahmen noch nicht in Kraft getreten sind.

– Die Mobilfunk-Terminierungsentgelte (MTR) sind zwar 2007 gesunken, es bestehen aber immer noch große Unterschiede in der EU. Das EU-weit höchste Terminierungsentgelt ist 10 mal so hoch wie das niedrigste: 1,9 Cent/min. in Zypern, 22,4 Cent/min. in Estland. Dieser Zustand beeinträchtigt die Planungssicherheit europaweit tätiger Anbieter.

– Die Übertragung der Rufnummern wird in der EU uneinheitlich gehandhabt. In Irland und Malta dauert der Mobilfunk-Betreiberwechsel nur einen Tag, in Italien und der Slowakei dagegen 20 Tage.

Grafik © EU-Kommision

Die Kommission unterbreitete im November 2007 Vorschläge für eine Reform der Telekom-Regulierung in Europa. Diese Vorschläge werden gegenwärtig im Europäischen Parlament und im Rat erörtert.

Nachricht eingestellt: 19.03.2008 - 15:46

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