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12.03.2010 |
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VDE Glasfaser-Experte: „Telekom-Branche muss Breitbandversorgung visionär angehen!“Exklusiv-Interview mit Godehard Walf*
Frankfurt M./Berlin, 19.09.08-06:00 – Breitband in Deutschland, das bedeutet vielerorts noch warten auf DSL und die Debatte: Reicht ein Anschluss mit 1 Mbit/s als Grundversorgung aus, oder sollen es vielleicht doch gar 2 Mbit/s sein? Gleichzeitig bieten erste Regio-Carrier und Kabelnetzbetreiber ihren Kunden über den Glasfaseranschluss bereits 30 oder 100 Mbit/s zu normalen DSL-Marktpreisen an. „Die Vision von Breitband in Deutschland muss lauten 1 Gbit/s für alle!“, erklärt Glasfaser-Experte Godehard Walf vom Berliner Heinrich-Hertz-Institut dagegen im Interview mit Portel.de. Walf organisiert vor Ort in Berlin den 3. Breitbandkongress der Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG/VDE, 1./2. Oktober 2008) zum Thema „Breitbandversorgung in Deutschland – mehr Bandbreite für alle?“ mit Vorträgen von namhaften Vertretern von Netzbetreibern, Herstellern, Ministerien und F&E-Einrichtungen. Das Gespräch führte Georg Stanossek.
Portel.de: Femtocell soll UMTS in die Gebäude bringen. In welchen Bereichen und ab wann rechnen Sie hier mit nennenswerten Nutzerzahlen?
Portel.de: 1 Gbit/s hört sich etwas jenseits von Gut und Böse an. Ein 2 Mbit-Anschluss reicht doch heute im normalen Haushalt als Grundversorgung für Telefon, Internet und Video-Download völlig aus. Das sagen jedenfalls die meisten Netzbetreiber und auch die Regulierungsbehörde ...
Für Unternehmen ist Breitband schon heute einer der wichtigsten Standortfaktoren. Einer Untersuchung von Ernst & Young zufolge (Standort Deutschland 2006) liegt der Faktor „Infrastruktur Telekommunikation“ in der Wunschliste der Unternehmen bei der Standortauswahl auf Platz 4 gleich hinter „Transport und Logistik“, „Arbeitskosten“ und „potenziellen Produktivitätszuwächsen“ und damit noch vor der „politischen Stabilität“ und den „Steuerlasten“ am Ort. Selbst große Unternehmen beispielsweise verlegen ihren zentralen Firmenserver auch gerne aufs Land, wenn sie dort bei einem Regio-Carrier über die bessere Anbindung ans Netz verfügen. Auch für den Bewerber um eine Stelle kann es heute wegen der zunehmenden Verlagerung von Jobs an den Arbeitsplatz zuhause ausschlaggebend sein, dass er daheim über eine schnelle Internetanbindung verfügt. Insbesondere beim Update von Programmen am Rechner sind schnell einmal mehrere hundert Megabit fällig. Dann ist der Arbeitsplatz im Zweifelsfall stundenlang blockiert. Gerade für Telearbeiter ist es auch sehr wichtig, über einen schnellen Upload zu verfügen, was bekanntermaßen bei den meisten Anschlussarten hierzulande nicht der Fall ist. Bliebe als weiteres und zunehmend wichtiges Argument für eine möglichst hohe Übertragungsrate noch das Thema Energieeffizienz. Man rechne nur einmal durch, was es - ganz abgesehen von der Zeit und den Kosten - aus energiewirtschaftlicher Sicht bedeuten würde, wenn wir den überwiegenden Teil unserer Firmenmeetings per Videokonferenz durchführen würden, statt durch die Welt zu jetten. Das geht aber nur mit einer ausreichenden Bandbreite. Und vor allem daran scheitert die Videokonferenz-Technik zurzeit. Und auch im Kleinen müssen wir möglichst energiesparende Lösungen finden. Der Hauptstromerverbrauch in den Telekommunikationsnetzen erfolgt in den Zugangs- und Inhouse-Netzen, also direkt am Kundenanschluss. Der Energieverbrauch von Glasfasersystemen ist da teilweise deutlich niedriger als das Kupfer-Equipment. Auch für die Infrastruktur innerhalb der Gebäude müssen noch effiziente Lösungen gefunden werden. Denn hochgerechnet auf 40 Mio. Haushalte kommt da einiges zusammen.
"Wir haben nicht den geringsten Grund,
Das heißt: wir haben hier überhaupt keinen Grund, uns zurück zu lehnen und über eine Flächenversorgung in 2025 zu diskutieren! Mit Kleinklein kommen wir da nicht weiter, sondern nur mit Visionen. Die elementaren Fragen zur Breitbandversorgung unseres Landes lauten erstens: Welche Datenraten brauchen wir kurz-, mittel- und langfristig, um im internationalen Vergleich als Standort mithalten zu können? Wir müssen uns dabei genau überlegen, was wir heute an Infrastruktur in die Erde graben – die gute alte Kupferleitung nutzen wir ja übrigens auch schon seit rund 100 Jahren. Und zweitens: Wie stellen wir eine möglichst breite Versorgung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicher? Mit so einer Denke werden wir erfolgreich sein, denn: technisch können wir das! Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland vor allem in den Bereichen, in denen es seine Stärken hat, international eine Vorreiterrolle übernehmen muss - wie beispielsweise in den IT- und Telekommunikationstechniken. Dabei wäre es ja schon einmal ein erster Ansatz, wenn wir uns im Ausland abschauten, was dort gemacht wird.
Aber wo sonst außer im VDE haben Sie Gelegenheit, so viel geballtes Expertenwissen außerhalb der Unternehmensgrenzen auf Arbeitsebene an einen Tisch zu bekommen? Man ist dann auch bei erst noch kommenden Fachthemen immer sehr schön am Puls der Zeit, weil man durch die Mitarbeit in den Gruppen in die Kommunikation eingebunden ist – das gilt übrigens auch schon für Studenten. Insbesondere ihre jungen Kollegen sollten die Führungskräfte in den Unternehmen daher laufend motivieren und ggf. freistellen, stellvertretend hier mitzuarbeiten. Denn am Ende profitiert das Unternehmen wieder über seinen Wissensvorsprung.
GEORG STANOSSEK
ITG-Breitband-Kongress - 1./2. Oktober 2008 in Berlin Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG/VDE) hat für die Konferenz „Breitbandversorgung in Deutschland – mehr Bandbreite für alle?“ inzwischen das Programmheft vorgelegt. Es ist die 3. Konferenz zu diesem Thema mit Vorträgen von den betreffenden Ministerien, Betreibern, Herstellern und F&E-Einrichtungen. Die zentralen Fragen lauten: Ziel der Konferenz ist es, ein Forum sowohl für politisch-regulatorische als auch technische und wirtschaftliche Fragen im Bereich der Breitbandversorgung anzubieten. Die Tagung möchte strategische Planer aus den Bereichen Politik, Kommunen, Versorger und Netzbetreiber ansprechen. Produktplaner aus Industrie und F&E-Einrichtungen werden über neue Technologieentwicklungen und Trends informiert. Veranstalter Wissenschaftliche Tagungsleitung Lokale Organisation
Das vollständige Programm findet sich zum Download unten.
Nachricht eingestellt: 19.09.2008 - 06:00 -------------------------------- Portel.de - In eigener Sache -------------------- FTTH-Portal
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