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Bitkom: Deutsche Breitbandinitiative stellt zwei neue Studien vor

Zusätzlich bis zu 265.000 neue Arbeitsplätze möglich

Heinz Paul Bonn, Vizepräsident Bitkom
Heinz Paul Bonn, Vizepräsident Bitkom

Hannover/Berlin, 14.03.06-13:24 – Dank breitbandiger Internet-Zugänge kann das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland bis 2010 um bis zu 46 Mrd. Euro stärker ausfallen. Zudem können bis zu 265.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies sind zwei Ergebnisse einer Studie über die gesamtwirtschaftlichen Potenziale von Breitband, die die Partner der Deutschen Breitband-initiative (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Initiative D21 und Bitkom) heute vorgestellt haben. „Breitband ist eine wesentliche Basisinnovation mit erheblichen positiven Auswirkungen für die Gesamtwirtschaft“, sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Bernd Pfaffenbach. „Geschäftsmodelle, Prozesse sowie Hard- und Softwaretechnologien sind daraufhin neu auszurichten“.

Bereits heute stelle der Übergang zu schnellen Internet-Zugängen und der damit verbundene Ausbau von Breitband-Anwendungen eine der grundlegendsten Veränderungen in Wirtschaft und Verwaltung der vergangenen Dekade dar. Nach Ansicht der Bundesregierung sollen 98% aller deutschen Haushalte ab 2008 die Möglichkeit für einen Zugang zu einem breitbrandigen Internet-Anschluss haben. „Mit der angestrebten 95%-DSL-Abdeckung und unter Einrechnung der Funktechnologien ist eine Flächendeckung von 98% in zwei Jahren erreichbar“, so Pfaffenbach. Den Ergebnissen der zweiten vorgestellten Studie folgend, sind hierfür insbesondere alternative Zugangstechnologien wie WIMAX, UMTS und der Ausbau des Kabelnetzes relevant.

In den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der Breitbandanschlüsse in Deutschland um jeweils ca. 50 % auf 10,7 Mio. Ende 2005. Der Wettbewerb im Breitbandmarkt hat gerade in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Neben der in Deutschland dominierenden DSL-Übertragung wird nunmehr auch verstärkt das Fernsehkabelnetz ausgebaut. Zudem sind erste Angebote auf Basis von Funktechnologien gestartet. Dies und die gestiegene Nachfrage nach Breitbandanschlüssen führen dazu, dass zunehmend auch Gebiete erschlossen werden, die bisher nicht mit breitbandiger Übertragungstechnik versorgt sind.

Auch wenn die infrastrukturellen Voraussetzungen immer besser werden, so belegen die Studien, dass die Potenziale der Breitbandtechnologien noch besser genutzt werden müssen, um als Volkswirtschaft und als Gesellschaft davon zu profitieren. Sollten die Potenziale nicht genutzt werden, so dürfte das breitbandige Wachstum statt der 46 Mrd. nur rund 18 Mrd. erreichen. Daher fordern die Partner dazu auf, Erfolgsfaktoren wie den Aufbau breit-bandbasierter Geschäftsmodelle, Anwendungen und Inhalte zu stärken. „Die Unterhaltungsindustrie hat mit Musik-Downloads die Chancen erkannt und erste Trends für mehr Breitbandnutzung gesetzt. Langfristig bieten die Bereiche E-Commerce, E-Government, E-Health und E-Learning viel versprechende Anreize“, so Dr. Thomas Ganswindt (Vorstandsvorsitzender der Initiative D21 und Mitglied im Zentralvorstand der Siemens AG). „Wir brauchen Inhalte und Anwendungen, deren Nutzen klar erkennbar ist. Dabei ist künftig eine Verwaltung mit ihren Dienstleistungen ebenso gefragt, wie die Unternehmen“, sagte Ganswindt.

„Gerade für kleine und mittelständische Untenehmen ergeben sich durch die zunehmende Breitbandnutzung erhebliche Marktchancen“, sagte Heinz Paul Bonn (Vizepräsident des Bitkom und Vorstandsvorsitzender der GUS Group). „KMU sind gefragte Innovatoren, was die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Anwendungen und Inhalte auf Breitbandbasis anbetrifft und damit einer der wesentlichen Treiber.“ Zudem profitierten sie auch selbst davon, ihre eigenen Geschäftsprozesse durch Breitbandnutzung effizienter gestalten zu können. „Mehr als 2/3 der Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern nutzen bereits heute Breitband, bei den Kleinstunternehmen sind es aber erst 36 Prozent. Hier schlummert erhebliches Potenzial!“, so Bonn.

Die Partner der Breitbandinitiative werden ihre Kooperation fortsetzen und besonders bei den Themen Flächendeckung, Mittelstand sowie Inhalte und Anwendungen intensivieren. Als nächsten Schritt kündigten die Partner ein Gipfeltreffen mit Vertretern der Content-Industrie an.

Die Studien werden auf den Internetseiten der Partner zum Download kostenfrei bereitgestellt.

„Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Breitbandnutzung“

(Micus Management Consulting GmbH, Düsseldorf, 2006)

www.micus.de

„Potenziale alternativer Techniken zur bedarfsgerechten Versorgung mit Breitbandzugängen“

(wik-Consult, Bad Honnef, 2006)

www.wik.org

Beide Studien entstanden im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Die Organisatoren:

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie:

Die Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie zählen mit rund 750.000 Beschäftigten zu den wichtigsten deutschen Arbeitgebern. Sie besitzen einen Weltmarktanteil von rund sechs Prozent und generieren ein Umsatzvolumen von 134 Mrd. Euro. Damit stellt Deutschland den größten IKT-Markt Europas dar. Entsprechend wichtig ist der Bundesregierung diese Branche. Dem Auf- und Ausbau von Breitband-Technologien kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Dazu gehört etwa der Aufbau eines eGovernment mit einer hohen Verfügbarkeit von Online-Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung. Das BMWi fördert Akzeptanz und Verbreitung von Breitband-Technologien in enger Kooperation mit Vertreterinnen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Länder. www.bmwi.bund.de

Über Initiative D21:

Die Initiative D21 ist Europas größte Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft (Public Private Partnership). Sie besteht aus einem Netzwerk von 200 Mitgliedsunternehmen und -organisationen aller Branchen, die gemeinsam mehr als eine Million Menschen in der Bundesrepublik beschäftigen. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist es, durch bessere Bildung, Qualifikation und Innovationsfähigkeit wirtschaftliches Wachstum zu stimulieren und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sichern. Dafür setzt sich die Initiative gemeinsam mit politischen Partnern in praxisorientierten und interdisziplinären Projekten ein. Alle Maßnahmen von D21 besitzen einen engen Bezug zu Informations- und Kommunikationstechnologien, einer entscheidenden Basis für die Zukunft Deutschlands. www.initiatived21.de

Über Bitkom:

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. vertritt mehr als 1.000 Unternehmen, davon 750 Direktmitglieder mit etwa 120 Milliarden Euro Umsatz und 700.000 Beschäftigten. Hierzu zählen Geräte-Hersteller, Anbieter von Software, IT-Services, Telekommunikationsdiensten und Content. Der Bitkom setzt sich insbesondere für bessere ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik ein.

Zusammenfassung zur Studie:

„Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Breitbandnutzung“

Die Studie „Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Breitbandnutzung“ von Micus Management Consulting zeigt erstmalig auf, welche Auswirkungen die wachsende Breitbandnutzung auf Wachstum, Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung hat, und welche Möglichkeiten einer staatlichen Einflussnahme bestehen.

Ein wesentliches Ergebnis dieser Studie ist die Erkenntnis, dass die Möglichkeiten dieser Technologie vor allem Betreibern, Technologiedienstleistern und Großunternehmen bekannt ist, große Informationsdefizite bestehen hingegen bei den Verbrauchern und den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).

Die Herausforderung für alle Marktteilnehmer besteht darin, stärker auf die Breitband-Dienste zu fokussieren. Bisher werden die Vorteile von innovativen Diensten zwar dargestellt, jedoch oftmals ohne auf die Notwendigkeit des Breitbandanschlusses hinzuweisen. Das heißt Breitbandnetz und Dienste wirken für viele Kunden als zwei unabhängige Angebote. Damit werden viele Marktchancen nicht genutzt, insbesondere in den Breichen E-Government, E-Health und E-Learning.

In der Studie werden drei Szenarien zur Berechnung der gesamtwirtschaftlichen Effekte unterschieden: Im Base Case ist bis 2010 gegenüber 2004 ein breitbandbedingtes Wachstum von 38 Mrd. € erzielbar. Im Best Case ergibt sich gegenüber dem Referenzjahr 2004 ein Wachstum von 46 Mrd. € in den kommenden fünf Jahren, im Worst Case sind es 18 Mrd. €. Ähnlich gestaltet sich die Situation im Hinblick auf Beschäftigung: Bis 2010 können im Base Case 178.000 zusätzliche Arbeitsplätze (verglichen zu 2004) entstehen. Im Best Case fällt die Entwicklung im Hinblick auf den Arbeitsmarkt noch günstiger aus, so dass bis 2010 insgesamt 265.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Worst Case ist weitgehend beschäftigungsneutral.

Der Übergang von Schmalband- auf Breitband-Technologien und der damit verbundene Aufbau von Breitbandanwendungen stellt eine der grundlegendsten Veränderungen in Wirtschaft und Verwaltung der letzten Dekaden dar. Prozesse, Hard- und Softwaretechnologien sowie Geschäftsmodelle sind daraufhin neu anzupassen bzw. auszurichten.

Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Breitbandnutzung sind signifikant. Die zehn Handlungsempfehlungen der Studie zur weiteren Verbesserung der Nutzung von Breitband-Technologie sind somit auch als Aufforderung an alle Marktteilnehmer zu verstehen, hier im Interesse der Entwicklung gemeinsam zu agieren.

Zusammenfassung zur Studie:

„Potenziale alternativer Techniken zur bedarfsgerechten Versorgung mit Breitbandzugängen“

Wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass durch den Einsatz von Funktechnologien und den Ausbau der Telefon- und Kabelnetze eine Breitband-Flächendeckung von 98% (bezogen auf die Haushalte) erreicht werden kann.

Zunächst ist davon auszugehen, dass schon mittelfristig die Verfügbarkeit von DSL über Festnetzanschlüsse weiter steigen wird. Sowohl die DTAG als auch einzelne Regional- und City-Carrier haben angekündigt, bislang unversorgte Gebiete über das Festnetz anzuschließen. Hierzu können preiswertere und leistungsfähigere technologische Lösungen wie z. B. Outdoor-DSLAMS einen wichtigen Beitrag leisten. Ankündigungen der Kabelnetzbetreiber, die Umrüstung ihrer Netze zu beschleunigen, lassen darauf schließen, dass der wichtigste Beitrag zur Intensivierung des Infrastrukturwettbewerbs künftig von den Breitbandkabelnetzen ausgehen wird, während Powerline über den Status einer Nischentechnologie nicht hinauskommt. Nach einer langen Phase des Stillstands haben viele Kabelnetzbetreiber begonnen, ihre Netze sukzessive umzurüsten, um ihren Kunden Triple Play-Dienste (Rundfunk, Breitbandinternet, Telefonie) anbieten zu können. 2005 waren knapp 7 Mio. deutsche Kabelhaushalte Breitbandinternet-fähig. Rund 320.000 davon konnten bislang als Kunden gewonnen werden.

In Bezug auf die Abdeckung der im Breitbandatlas der Bundesregierung ausgewiesenen „weißen Flecken“ wird deutlich, dass UMTS/HSPA und vor allem WIMAX – trotz ihrer technischen Restriktionen bzgl. Reichweite und Übertragungskapazität – im Vergleich mit den übrigen untersuchten Funktechnologien (WLAN, Portable DSL, Satellit) das größte Potenzial besitzen, zur Verbesserung der Angebotssituation von Breitbandinternet in den OPAL/HYTAS-Gebieten und in den ländlichen Räumen beizutragen. Mangels Alternativen werden Nutzer in diesen Regionen ggf. bereit sein müssen, gewisse Abstriche bei der Bandbreite und auch moderat höhere Preise in Kauf zu nehmen.

In den ländlichen Regionen wird für die Realisierung von WIMAX-Angeboten entscheidend sein, bei welcher kritischen Masse von Anschlüssen die Wirtschaftlichkeitsschwelle erreicht wird, damit die gewählten Geschäftsmodelle nachhaltig stabil sein können. Insofern wird in Hinblick auf die Abschätzung des Beitrags von WIMAX zur Flächenabdeckung zunächst die Marktentwicklung nach der zu Beginn 2006 begonnenen Vergabe der Funkfrequenzen abzuwarten sein.

Nachricht eingestellt: 14.03.2006 - 01:00

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